Jahresthema 2017 - »Wasser im Oderbruch«

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Siegfried Düsterhöft - Bisamjäger im Oderbruch - Ausstellung und Publikation

23. September 2017 - 14 Uhr - Fontanehaus Schiffmühle

Die Recherche und Ausstellung über den Bisamjäger Siegfried Düsterhöft wurde vom Programmbüro des Oderbruch Museums Altranft zum Jahresthema Wasser 2017 als Kooperationsprojekt mit dem Fontanehaus in Schiffmühle initiiert. Der Ausstellungsort im Fontanehaus bezieht sich auf den letzten Wohnsitz von Siegfried Düsterhöft.

Natürlich gehört zum Thema Bisamratten die Vergegenwärtigung des sensiblen Systems zwischen Wasser und Land, das diese Landschaft hier im Oderbruch schon zu ihrer sumpfigen Zeit prägte. Auch die heutige Kulturlandschaft wird auf andere Weise zur Grundlage für unser Tun und Lassen, vorausgesetzt, man möchte dieses Menschenwerk erhalten. Eine der Merkwürdigkeiten ist dabei der Konsens in der politischen Schicht, Bisamratten zu verfolgen und Biber zu schonen. Erstaunlicher Weise hat die Recherche zu Siegfried Düsterhöft ergeben, dass auch schon zu DDR-Zeiten Biber an der Oder angesiedelt wurden und deren Ausbreitung und Vermehrung von Naturschützern mit klammheimlicher Freude beobachtet wurde. Dafür ging man aber gegen die Bisamratten um so entschiedener vor. Es gab viel mehr Bisamjäger als heute, die, man sieht es an den Fangbüchern von Siegfried Düsterhöft, auch weitaus mehr Bisamratten als heute erlegten. Auch aus anderen Bundesländern wissen wir, dass viel mehr Bisamjäger im Einsatz sind als in Brandenburg, von Holland ganz zu schweigen.

Über Siegfried Düsterhöft zu forschen bedeutet, mit Menschen zu reden, die ihn kannten, Verwandte, Bekannte, Freunde, Kollegen, Vorgesetzte. Direkt von ihm selbst erfahren wir allein – aber immerhin – durch die 2 Fangbücher, die seine Witwe Gertrud aufbewahrt hat. Von seinem Nachfolger Andreas Jendritzki, der schon als Jugendlicher bei ihm ausgeholfen und zunächst Fischer gelernt hat, bevor er Düsterhöfts Nachfolge antrat, wissen wir auch nur durch Erzählungen. Ihn selbst habe ich bisher nicht treffen können. Dafür konnte ich mit Jendritzkis Nachfolger, dem heutigen Bisamjäger oder „Rattenfänger“ Enrico Mielke sprechen und seine weiterentwickelten Fangwerkzeuge vorgeführt bekommen. Auch den Lehrer von Enrico Mielke, Werner Lottmann, auf seinen Vater Fritz Lottmann in zweiter Generation folgend, konnte ich an seinem Heimatort in Oderberg sprechen.

Ohne die Gesamtproblematik des Oderbruchs ist der hiesige Bisamfang, der in ganz Deutschland, Europa und weltweit betrieben wird, wenig einleuchtend. So gab es Gespräche mit dem ehemaligen „Deichgraf“ Peter Trömel, mit dem Bereichsingenieur des Landesumweltamtes im Deichhaus in Bad Freienwalde, Günter Wartenberg, mit dem Chef des Gewässer- und Deichverbandes (GEDO) in Seelow, Martin Porath, und der Bibermanagerin Antje Reetz konnte ich ebenfalls dankenswerter Weise sprechen. Aus den Eintragungen von Siegfried Düsterhöft geht die Einsamkeit der Arbeit hervor. An seinen Aufenthaltsorten hatte er natürlich schon Kontakt mit den dort wohnenden Leuten wie wir durch die Gespräche mit Sophie Natuschke, Johannes Huwe und Horst „Hotti“ Schulz erfahren haben. Sein Neffe Ralph Düsterhöft erwähnte im Gespräch, dass er im Oderbruch bekannt war wie ein bunter Hund. Auch mit seinen Bisamjäger-Kollegen hatte er regen Kontakt und hat sich ihre Fangergebnisse Ende des Jahres notiert und die Fangquote des Jahres berechnet.

Über den Bisam, das verfolgte Tier, erfahren wir viel liebens- und lesenswertes aus der Literatur am Rande unserer Ausstellung. Gemeint damit sind die Ausschnitte aus Büchern von Johannes Ulbrich, erschienen in Dresden 1930, und Max Hoffmann, erschienen in Leipzig 1958, beide
mit dem Titel: Die Bisamratte. Sie sind in der Regel gesellige Geschöpfe, die ihre von der Natur mitgegebenen Fähigkeiten ausleben und in natürlichen Gewässern und Sumpflandschaften ihr unschuldiges Unwesen treiben. In einem hochindustrialisierten und damit künstlichen umgeformten Land wie Deutschland werden sie jedoch als Feinde der menschlichen Kunstschöpfungen angesehen und behandelt. Das ist bedauerlich, aber angesichts der grundlegenden Entscheidung zu dieser erstrebten Lebensform nicht zu verhindern. Zur ensthaften Hinterfragung dieser unserer Art, zu leben, wird wohl mehr als ein Diskussionsforum nötig sein.

Ortwig, im September 2017
Detlef Mallwitz / Institut für Geschichten

 

 

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