Jahresthema 2017 - »Wasser im Oderbruch«

Ausstellungen im Schloss

Im letzten Jahr haben wir unter dem Titel REVISION I in den historischen Ausstellungsräumen und der Galerie nahezu alles, was das Museum Altranft in den letzten Jahrzehnten gesammelt und auf dem Dachboden des Schloss Altranft aufbewahrt hat, gezeigt, um entscheiden zu können, was mit diesem Bestand in Zukunft geschehen soll. Unter dem Titel REVISION II werden wir uns in diesem und kommenden Jahr in ähnlicher Weise mit den in den anderen Gebäuden des Museums untergebrachten Beständen – das sind vor allem Werkzeuge, Geräte und Maschinen aus dem landwirtschaftlichen Bereich sowie Möbel – auseinandersetzen. Im Schloss Altranft werden wir jedoch bereits beginnen, mit den Sammlungen zu arbeiten.

 

ALTRANFT

Dorf- und Schlossgeschichte in zehn Kapiteln

Aufgrund seiner Lage am Rande des Oderbruchs hat Altranft eine ebenso besondere wie typische Geschichte erlebt, sie reicht vom alten Fischerdorf über die fünf Gutsherrenfamilien bis in das heutige Museumsdorf. In zehn Kapiteln erzählt die Ausstellung von dieser Geschichte. Dabei werden keine fertigen und abgeschlossenen Sichtweisen vermittelt, vielmehr soll die Ausstellung durch ihre Struktur und Ausstattung dazu einladen, in den nächsten Jahren zusätzliches Material (Texte, Fotos, Objekte) zu ergänzen und so eine immer reichere Sicht des Ortes zu befördern. Die Geschichte soll mit allen Interessierten, vor allem aber mit den Bewohnern Altranfts gemeinsam geschrieben werden.

 

DIE GÄSTEZIMMER

Eine partizipative Rauminstallation von Ellen Kobe
mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Region und Berliner Künstlerinnen und Künstlern

Mit Werken von:

Beate Bendel
Ingo Biermann
Achim Kühn
Coco Kühn
Petra Lottje
Tanja Ostojic
Fiene Scharp
Judith Siegmund
Elisabeth Sonneck
Astrid Weichelt

Das Projekt bildet einen Zirkelschlag zwischen der Historie des Schlosses, den landschaftlichen Veränderungen und den gegenwärtigen Lebensdingungen im Oderbruch.
Vier Räume der belle etage des Schlosses mit dem Interieur aus der Sammlung Charlotte von Mahlsdorfs sind Anlass für zeitgenössische Interventionen und zeigen jeweils verschiedene Szenarien, die zwischen den Epochen der Geschichte des Ortes Altranft oszillieren. Die Nachgeborenen, Bewohnerinnen und Bewohner der Region und Berliner Künstlerinnen und Künstler sind mit ihren Überschreibungen im Schloss zu Gast. Sie legen Spuren, die in die Geschichte des Oderbruchs führen. DIE GÄSTEZIMMER verweisen auf die Orts- und Schlossgeschichte, öffnen den Blick für landschaftliche Bezüge und binden durch künstlerische Interventionen geschichtliche Verfremdungen ein. Im Spannungsfeld zwischen der Geschichte der Altranfter Gutsherrenfamilie von Marschall und den Erfahrungen in der DDR, zwischen brandenburgischer Kulturlandschaft und revitalisiertem Schlossmuseum entsteht ein partizipatives Projekt. Zur Eröffnung am 20. Mai findet eine Präsentation der Rauminstallation statt, die als Performance aufgeführt wird: diese RAUMERZÄHLUNG setzt Bezüge zwischen der Historie und Tradition des Ortes, den eingefügten Kunstwerken, Leihgaben oder Schenkungen und dem realem Raum und erzählt die Geschichte dieser Arbeit. DIE GÄSTEZIMMER erscheinen als ein temporäres “Museum“ im Museum.

Mahlsdorf-Interieurs

Charlotte von Mahlsdorf (eigentlich: Lothar Berfelde) lebte von 1928 bis 2002 und war, nicht zuletzt durch den Aufbau des Gründerzeitmuseums in Berlin-Mahlsdorf, eine in Berlin-Brandenburg weithin bekannte Persönlichkeit. Im Obergeschoss des Altranfter Herrenhauses befindet sich eine Interieurausstellung mit Möbeln und Gegenständen aus ihrer Sammlung, welche das Freilichtmuseum Altranft in den neunziger Jahren angekauft hat. Diese Interieurs stammen aus Ostpreußen, sie entsprechen nicht der Wohngeschichte Altranfts. Das bedeutet auch: So, wie es hier zu sehen ist, wurde an Ort und Stelle wohl nicht gelebt und gearbeitet, schon gar nicht befand sich die Küche in der oberen Etage! Das Interieur ist aber nun einmal, wohl auch wegen seines Schauwerts, in Altranft installiert worden. Rechnen Sie also damit, dass das Museum immer wieder einmal spielerisch mit diesen Räumen umgeht, Künstler zu Interventionen in die Räume einlädt oder Spuren legt, die in die Geschichte des Oderbruchs führen.


      

STUDIOLO

Typische Objekte aus der Landschaft

Für den Frühsommer ist die Einrichtung eines Studiolo, das heißt eines Studierzimmers zu den vielfältigen Aspekten des Oderbruchs geplant. Hier sollen die einschlägigen Bestände der Museumsbibliothek, Dokumente, Objekte und Bilder, die für das Oderbruch typisch sind, aufbewahrt und Interessierten zugänglich gemacht werden. Das Studiolo ist als ein offenes Archiv angelegt, also als ein Raum, der über die Jahre zusammen mit den Bewohnern des Oderbruchs entwickelt wird.